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3/2005

"Passivhaus" - als Marke

Beispielhaft und ganz bewusst haben Bauherr und Architekt bei dem auf Seite 30 dieser Ausgabe dargestellten Einfamilienhaus (Passivhaus im Kreis Karlsruhe mit Blick über den Kraichgau) auf die allgemein beliebten Solar-Statussymbole Photovoltaik-Anlage oder Kollektor verzichtet, um ein wirtschaftliches Gebäude mit einer ansprechenden Architektur zu erhalten, dem man den Passivhaus-Status nicht sofort ansieht. Die inneren Werte werden erst beim Betreten des Gebäudes im Hochsommer, im tiefsten Winter oder bei der Nebenkostenabrechnung deutlich.
Im Gegensatz dazu machen wir immer mehr die Erfahrung, dass Solar-Architektur oder Passivhäuser nach außen auch das darstellen sollen, was sie leisten. Im Idealfall kann der Architekt eine anspruchsvolle Solar-Architektur umsetzen, bei der die Gebäudeform und die solaren Anforderungen eine harmonische Symbiose eingehen. Dabei werden die nachträglich aufgesetzten oder angeschraubten Solar-Elemente vermieden, Architektur und solare Ausrichtung sind eins. Die Bauherren wollen gerne zeigen was sie haben und ähnlich einem Mercedes-Stern, einem Armani-Label oder einer Davidoff-Banderole das Passivhaus durch ein prestigeträchtiges Symbol aufwerten. Es soll auch nach außen sichtbar sein, dass man modern, solar, Energie-effizient, ökologisch, nachhaltig und umweltfreundlich gebaut hat. Dieser Wunsch ist durchaus legitim, denn unsere gesamte Wirtschaft basiert auf dem Prinzip der Markenbildung und der gezielten Vermarktung einer Marke mit sachlichen und emotionalen Informationen. Warum soll das beim Passivhaus nicht gelten? Dort gibt es eine solche Fülle von guten Gründen und Argumenten, die alle Voraussetzungen für eine begehrenswerte und hochwertige Marke erfüllen. Der Passivhaus Standard sollte gezielt als etwas besonderes aufgebaut und vor allem kenntlich gemacht werden. Passivhäuser sind keine Discount-Schachteln, die es beim Bauträger an der Ecke gibt, Passivhäuser sind die qualitätvollste und zukunftsträchtigste Form des Wohnens oder Arbeitens. Der Passivhausbewohner zeichnet sich durch seinen überdurchschnittlichen Informationsstand aus, er weiß wirtschaftlich zu bauen und hat eine krisenfeste Altersvorsorge unabhängig von den politischen Energiepreisen geschaffen. Der Passivhaus-Bewohner legt großen Wert auf optimalen Wohnkomfort und exklusive Lebensart und muss sich von seinen Enkeln nicht vorwerfen lassen, dass er deren Lebensgrundlage mit verdorben hätte. Der Passivhaus-Bewohner möchte nicht nur diese Vorzüge genießen, er möchte es auch nach außen repräsentieren, dass er mehr Wert auf die zentralste aller Lebensformen das Wohnen legt. Was nützt das beste Grundstück, die schönste Einrichtung, die modernste Küche und der leckerste Weinkühlschrank, wenn man seine Familie in einer 0-8-15-Schachtel beherbergen muss und sich mit Gästen lieber im Restaurant trifft. Dafür gilt es einen Mercedes-Stern für die Marke Passivhaus zu entwickeln, der beispielsweise mit der Hausnummer am Haus angebracht wird und nach außen unaufdringlich darstellt: Ich bin ein zertifiziertes Passivhaus. Das würde den ideellen Wert, die Neugierde und die Nachfrage nach Passivhäusern deutlich erhöhen. So etwas könnte dann nur von der zertifizierenden Stelle verliehen werden, denn nur sie steht für Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit. Gleichzeitig wäre das sehr hilfreich gegen den Wildwuchs von falschen Passivhäusern, die nicht halten was sie versprechen, da ein Etikettenschwindler minderwertige Bauteile eingebaut hat. Nur der Passivhaus-Mercedes-Stern gibt dem Bewohner das gute Gefühl von Qualität und Exklusivität. Warum sollten wir unsere Produkte unter Wert vermarkten oder von Billiganbietern verramschen lassen?

Stefan Oehler



Stefan Oehler
"Passivhaus" - als Marke

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Neue Trends in der Sanierung
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Alterswohnungen in CH-Domat/Ems mit neuer Fassaden-Technologie

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Dipl.-Ing. Wolfgang Rogatty
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Stefan Oehler
Passivhaus im Kreis Karlsruhe mit Blick über den Kraichgau

Sabine Euler
Passivhäuser im Trend Modernes Passivhaus auf den Fildern

Kennet Karlsson
In einem gesunden Haus steckt ein gesunder Geist

Sigrid Dorschky, Paul Simons, Stefanie Rolfsmeier
BlowerDoor-Messungen an unterschiedlichen Gebäudetypen

9. Passivhaustagung Substanz entscheidet (Teil I)

10. Int. Passivhaustagung Hannover
Mit dem Passivhaus auf Erfolgskurs

IG Passivhaus Deutschland
Arbeitskreis kostengünstige Passivhäuser
IG Passivhaus Österreich
Energieinstitut Vorarlberg Blick über den Tellerrand

Messerückblick:
Besucheransturm auf Europas größter Solarfachmesse

Unternehmen, Produkte Messevorschau, Termine

Titelfoto: Südansicht des Einfamilien-Passivhauses im Kraichgau.
Foto: Stefan Oehler


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