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2/2003

Kaum zu fassen...
..., aber wahr: Sie haben das Geleitwort zur Ausgabe 4/2002 noch in Erinnerung? Koalitionsbeschlüsse sind die eine Seite, die Umsetzung in die Wirklichkeit eine ganz andere. Zugegeben, so recht daran glauben wollte man nicht. Nun hat die Bundesregierung allerdings in Rekordzeit die politisch vereinbarten Förderprogramme tatsächlich aufgelegt. Dabei wird das schon eingeführte und in der Praxis bewährte Instrumentarium der Vergabe von zinsverbilligten Darlehen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verwendet. Bei der KfW ist das Anliegen, durch technische Innovation in mittelständischen Unternehmen nachhaltige Produkte in die Praxis einzuführen, bestens aufgehoben. Die KfW-40-Kredite für Energiesparhäuser sind außerdem bei den Banken, bei der Bauherrenschaft und bei Entwurfsverfassern wie Bauträgern schon bekannt (www.kfw.de). Der Bund sorgt nun dafür, dass diese Kredite ganz erheblich an Attraktivität gewinnen.
Die Konditionen für einen 50.000 EURO-Kredit der KfW für ein Energiesparhaus-40 (einschließlich Passivhaus) sind so günstig, dass jede Bauherrin und jeder Bauherr wirklich gut beraten ist, dieses Angebot anzunehmen. Die Kredite sind so attraktiv, dass nun vor allem darauf geachtet werden muss, dass qualitativ hochwertige Projekte umgesetzt werden und nicht billige Abzocker nach dem Hase-Igel-Prinzip schnelles Geld machen. Überzeugen werden die Ergebnisse nur, wenn sie auch den versprochenen Erfolg erzielen. Dass dies mit dem Passivhauskonzept sichergestellt werden kann, haben die dokumentierten und wissenschaftlich begleiteten Projekte bewiesen. Dass hierzu vor allem hohe Planungs- und Ausführungsqualität gefordert ist, ist hinreichend bekannt. Alle Beteiligten sind nun verpflichtet, diese hohen Qualitäten auch sicherzustellen. Hierzu bedarf es einer Informationsoffensive. Die Weiterbildungsträger werden spezifische Angebote für Architekten, Haustechnikplaner und insbesondere für das Handwerk erstellen müssen, um die gefragte Kompetenz sicherzustellen. Dies ist im Übrigen eine zusätzliche Chance bei der eingeleiteten Entwicklung: Das Know-how der betreffenden Berufsgruppen wird gerade durch das Wissen zu Energiesparhäusern beträchtlich erweitert. Das erworbene Wissen zum luftdichten Bauen, zum wärmebrückenfreien Konstruieren, zu Projektierung, Planung und Bau von Wohnungslüftungsanlagen kann ohne weiteres auch bei der Modernisierung von Wohnraum fruchtbar eingebracht werden. So entsteht zusätzlich verbesserte Qualität, Schutz für die Bausubstanz und erhöhter Wohnkomfort - und es sind Impulse für zusätzliche Produktentwicklungen zu erwarten, wie sie schon in letzter Zeit zunehmend präsentiert wurden: Seien dies dämmende Vorsatzschalen für Fensterrahmen (auch zur Nachrüstung geeignet), Arbeitserleichterungen für die Herstellung der Luftdichtheit, Montagehilfen, Dämmmanschetten für die Installation wärmeführender Leitungen (insbesondere an leider noch häufig ungedämmten Armaturen) oder moderne Regeltechnik.
Diese Produktverbesserungen, häufig von kleinen und mittleren Betrieben entwickelt, schaffen nicht nur verbesserte Qualität, Wohnkomfort und Umweltschutz - sie stabilisieren auch die Arbeitswelt. Und vor allem steigert dieser Ansatz die Motivation; es bereitet nämlich Freude, Entwicklungen voranzutreiben, die gleichermaßen dem wirtschaftlichen Wohlstand, der Verbesserung der Lebensbedingungen und dem Umweltschutz dienen. Jedes Produkt, das über seine Nutzungszeit mehr nichterneuerbare Ressourcen einspart, als es zu seiner Herstellung benötigt, ist ein Meilenstein in eine nachhaltige Zukunft. Ein Wachstum bei diesen Produkten nützt nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Umwelt - seien es nun Sonnenkollektoren, Dreifachverglasungen, Luftdichtungsmanschetten oder Kompaktaggregate. Auch aus ökologischer Sicht kann man dazu nur sagen "mehr davon" - hier gibt es kein Zuviel des Guten, selbstverständlich, solange die Produkte eine sachgerechte Anwendung erfahren. Dass diese Produktentwicklungen nun vor allem in Europa eine große Reife erreicht haben, ist eine besondere Chance für den alten Kontinent. Vielleicht ist dies auch schon ein Grund dafür, dass wir Europäer dem Völkerrecht, den Menschenrechten und dem Umweltschutz einen hohen Stellenwert geben - durch die Erfahrungen mit den erfolgreich erschlossenen Potentialen erneuerbarer Energieträger und effizienterer Energienutzung können wir schon heute der Sicherheit unserer materiellen Zukunft mit mehr Vertrauen entgegensehen.
Natürlich ist für die Umsetzung auch eine breitenwirksame Kommunikation der bisherigen Erfolge und der Vorteile der Energiesparhäuser wichtig. Passivhäuser sind nicht nur energiesparend und umweltfreundlich; sie fördern insbesondere das gesunde Wohnen und sie sind außerordentlich behaglich. Ganz konkret konnte ich diese Erfahrung beim Inselurlaub auf Stromboli auffrischen: Selbst in südlicheren Breiten können ungedämmte Wandoberflächen noch im April empfindlich kalt sein und sogar die Betten klamm - wenn man aus dem schon seit Ende Februar völlig unbeheizten aber mollig warmen Passivhaus kommt, ist das etwas ungewohnt. Kein Wunder, dass sich auch in Italien eine "Passivhausszene" bildet, aber davon bei anderer Gelegenheit.
Schon auf der Hamburger Passivhaustagung hatten wir die Bildung einer "Informations-Gemeinschaft Passivhaus" angeregt. Dieser Zusammenschluss von Architekten, Haustechnikplanern, Bauphysikern, Technikentwicklern, Herstellern, Handwerkern und Bauunternehmen ist jetzt so dringlich wie nie zuvor. Sollte es nicht möglich sein, die Chancen des energieeffizienten Bauens gemeinsam in der Öffentlichkeit vorzustellen? Warum wird man von Journalisten noch immer überrascht gefragt: "Wenn das energieeffiziente Bauen wirklich so vorteilhaft ist, warum hört man dann so wenig darüber?" - Klar, hier schwingt auch eine große Portion Skepsis mit. Genau diese können wir auf der Basis der erfolgreichen Erfahrungen kompetent überwinden: Jede neue Passivhausbewohnerin, jeder neue Bewohner eines Energiesparhauses ist ein überzeugender Botschafter des hervorragenden Komforts, der frischen Innenluft und der hohen Bauqualität. Damit sich Schlagzeilen wie die aus "Bild Frankfurt" vom März 2003 künftig vielfach finden "Haus ohne Heizung - Aber die Bewohner sind begeistert."
Um es noch einmal zu wiederholen: Nicht die Förderung ist es, auf die es ankommt. Die kann auch ganz schnell wieder weg sein. Sie kann und darf nur als Starthilfe verstanden werden. Auf Dauer werden nur die Techniken und die Produkte eine Chance haben, die am Markt auch ohne Förderung bestehen können. Ohne Zweifel trifft dies für Produkte der effizienten Energienutzung in ganz hohem Maße zu; eingeführtes Know-how, hochwertige Produktion und ausreichende Stückzahlen vorausgesetzt, können diese Produkte schon mittelfristig am Markt (auch ohne Förderung!) bestehen. Daran aber müssen wir jetzt hart arbeiten. Das ist es, worauf es in Wahrheit ankommt. Den Erfolg wird es nur geben, wenn wir alle unseren Beitrag leisten.

Dr. Wolfgang Feist
Passivhaus Institut



Dr. Wolfgang Feist
Kaum zu fassen...

Barbara Löbau
Mehr Geld für den Bau von Passivhäusern

Dr. Dagmar Everding
Solarer Städtebau

Monika Etspüler
Solarsiedlung in Freiburg "...wie im Paradies"

Rolf Disch
"Sonnenschiff" nimmt Kurs

Europäische Kommission und Städte unterstützen Planer und Baubetriebe

Intersolar 2003 Messeinfo

Burkhard Schulze Darup
Modernisierung mit Passivhaus-Komponenten

Dipl.-Ing. Martin Endhardt
Passivhaus auf historischem Fundament

Dipl.-Ing. Alexander Pfletscher, Dipl.-Physiker Oliver Kah
Sport- und Mehrzweckhalle im Passivhausstandard

Dipl.-Ing. Christiane Gerth
Passivhäuser und Verblendfassaden

Susanne Ruhrländer
Lastabtragung und Fenstermontage mit System

Dipl.-Ing. Sonja Schröter
Traditioneller Baustil im Passivhaus-Standard verwirklicht

Aktuelle Projekte:
Michael Birke
Das Heizsystem macht den Unterschied

Barbara Löbau
24. Sitzung des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser Einsatz von Passivhaustechnologien bei der Altbau-Modernisierung

Fachverband setzt Qualitätsstandards

Messerückblick: ENERGIE 2003

Messevorschau: Umwelt 2003

Unternehmen, Produkte, Buchbesprechungen, Termine


Titelfoto: Plus-Energiehaus in der Solarsiedlung Freiburg. Architekt: Rolf Disch.
Foto: Georg Nemec, www.solarfoto.info


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