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3/2002

Energetische Modernisierung – eine Jobmaschine

Die Vorschläge der Initiative "jetzt!" für ein umfassendes Programm zur energetischen Modernisierung des Gebäudebestandes liegen seit bald 2 Jahren vor. Alle Parteien haben prinzipiell positiv auf diese Ansätze reagiert, vor allem, weil das Engagement der Planer, Produzenten und des Handwerks in dieser Initiative deutlich zu spüren ist. Doch wo bleibt die politische Umsetzung? Wieviele Insolvenzen kleiner und mittlerer Unternehmen hätten bereits vermieden werden können, wenn das Programm zügig umgesetzt worden wäre! Die gegenwärtige Situation ist absurd: Einerseits sind sich alle Beteiligten einig, dass die verfügbaren wirtschaftlichen Potenziale für die Verringerung des CO2-Ausstoßes schnellstmöglich umgesetzt werden müssen (gerade angesichts der nicht mehr übersehbaren Folgen der Klimaänderungen); und das bedeutet:
- Heizungsanlagen müssen erneuert,
- Außenwände müssen wärmegedämmt,
- Hochwertige wärmeschutzverglaste Fenster müssen eingebaut,
- Dächer und Geschossdecken müssen abgedichtet und gedämmt,
- Wohnungslüftungsanlagen müssen eingebaut
werden. Andererseits gibt es in der Praxis jedoch einen drastischen Rückgang (!) z.B. bei den Umsatzzahlen der Fenstererneuerung. Auch wenn die genannten Potenziale in Verbindung mit der Instandhaltung, der Modernisierung und der Wertsteigerung bei den Gebäuden wirtschaftlich sind, laufen diese Prozesse nicht einfach von selbst ab. Die Gründe dafür sind mehrfach diskutiert worden und brauchen hier nicht wiederholt zu werden. Die Umsetzung von Klimaschutz durch private Investoren braucht Anreize: Der Kardinalanteil der Investitionsmittel für die Modernisierung wird von privaten Eigentümern getragen; diese haben gute Chancen, bedeutende Anteile dieser Investitionen durch eingesparte laufende Kosten wieder zu erwirtschaften – nicht mit den vielfach früher im Aktienmarkt versprochenen Top-Renditen – aber dafür solide und sicher. Aber: der Anreiz für die privaten Investitionen in diesem Bereich muss gesetzt werden. Wie das funktioniert, ist im "jetzt!"-Konzept perfekt ausgearbeitet: Der gewährte Steuerabzug geht direkt proportional zum erreichten Klimaschutzbeitrag. Dieser Ansatz ist für Antragsteller und Finanzbehörden gleichermaßen unkompliziert. Und, wie die Analyse zeigt, er spült mehr Geld an Umsatzsteuer für die zusätzlich ausgeführten Maßnahmen, Einkommenssteuer der zusätzlichen Beschäftigten und eingesparter Arbeitslosenhilfe in die Staatskasse zurück, als die Steuerabzüge ausmachen. Wie das sein kann? Der überwiegende Anteil der Investitionen wird über eingesparte Betriebskosten refinanziert. Die entfallende Beschäftigung wegen des geringeren Energieverbrauchs ist aber sehr viel geringer, als die induzierte Inlandsbeschäftigung für die Modernisierungsmaßnahmen (vor allem bei Planern und beim Handwerk) mit hohen Beschäftigungskoeffizienten.
Wenn die Wahlen vorüber sind, werden in den Koalitionsverhandlungen die Regierungsprogramme der kommenden Legislaturperiode aufgestellt. Wer auch immer die nächste Regierung stellen wird – die Beteiligten wären gut beraten, die brach liegenden Potenziale der baulichen Modernisierung zu aktivieren. Darüberhinaus wäre es lohnend, auch auf anderen Wirtschaftsfeldern nach vergleichbaren Investitionsfeldern mit Win-Win-Situationen zu suchen. Es fehlt nicht an Arbeitskräften. Es fehlt nicht an Know-How. Und es fehlt auch nicht am Geld (von der Spekulation auf die produktive Wertschöpfung umlenken!). Diese Zeitschrift ist voller Beispiele, wie es bei gutem Willen funktionieren kann. Jetzt sind verbesserte Randbedingungen für die Umsetzung überfällig! – Damit wir künftig nicht wieder nur notdürftig Schäden reparieren.
Sprechen Sie Ihren (Wunsch-)Wahlkreisabgeordneten auf die hier bestehenden Chancen an und verweisen Sie auf die Erfolge, die bisher schon erzielt wurden.


Im August 2002

Dr. Wolfgang Feist
Passivhaus Institut


PS: Das "jetzt!"-Konzept kann in EB Ausgabe 4/2000 nachgelesen werden.
Siehe auch www.initiative-jetzt.de.



Dr. Wolfgang Feist
Energetische Modernisierung – eine Jobmaschine

Dipl.-Ing. Søren Peper
Klimaneutral & Kostengünstig: Passivhaussiedlung Hannover

Dr. Dagmar Everding, Dipl.-Phys. Carsten Petersdorff
INSOLPLAN: Europaweiter Wettbewerb für Solarsiedlungen

Barbara Löbau
Preisträger des Hamburger Passivhaus-Wettbewerbs 2001/2002 ausgezeichnet

Dr. Günter Löhnert
Der Integrale Planungsprozess, Teil III: Empfehlungen

Rainer Pfluger
Prüfung und Qualitätssicherung für Passivhaus-Lüftungsanlagen

Dipl.-Ing. Helmut Petzold
EnEV – Gesundes Wohnen inklusive

Dr.-Ing. Achim Geissler, Dipl.-Ing. Torsten Bolender
Luftdichtheit

Sebastian Herkel
Nullemissionsfabrik SOLVIS

Dipl.-Ing. (FH) Peter Palatzky
Mehrfamilienhaus mit Kindertagesstätte in der „Messestadt Riem“

Ursel Wohlfarth
Holzkreativpreis 2001

Dipl.-Ing. Ulrich Bäte
Referenzobjekte als Passivhaus

Alexander Ilg
Attraktives 3-Liter-Haus in Lellwangen

Jörg Singer
MINERGIE-Preis Thurgau 2002

Jürgen Schnieders
Die Wärmeverluste am Fensterrand – Berechnung und Messung

Messerückblick:
Barbara Löbau
Spitzenleistungen deutscher Umwelttechnik und -forschung

Dipl.-Ing. Ulrich Bäte
Globalstrahlnutzer – Freiburg im Blickfeld der Sonnenenergie

Energieoptimierte Altbausanierung

Barbara Löbau
Arbeitskreis kostengünstige Passivhäuser – es geht weiter!

Dipl.-Ing. Martin Such
Passivhaus Seminare und Workshops

Barbara Löbau
Bauen für die Zukunft: Die Passivhaustagungen

Unternehmen, Produkte, Termine

Titelfoto: Innenhof der Nullemissionsfabrik SOLVIS
Architekten: Banz+Riecks, Bochum; Foto: C. Richters, Münster


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